Modul 2

Arbeitsplatzbezogene Belastungen und Ressourcen von Pflegekräften mit und ohne Migrationshintergrund in der ambulanten Pflege: Eine qualitative Vergleichsstudie

Schilgen B, Handtke O, Nienhaus A, Mösko M. (2019). Work-related barriers and resources of migrant and autochthonous homecare nurses in Germany: A qualitative comparative study. Applied Nursing Research 46:57-66.

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Hintergrund: Weltweit gibt es umfangreiche Untersuchungen über die Gesundheit am Arbeitsplatz von Pflegekräften. Empirische Erkenntnisse über die psychosoziale Gesundheit von Pflegekräften mit Migrationshintergrund in der ambulanten Pflege in Deutschland fehlen jedoch.

Ziel: Das Ziel dieser Studie ist es, arbeitsbedingte Stressfaktoren, Ressourcen und entsprechende Bewältigungsstrategien von Pflegekräften, die im Ausland geboren wurden zu identifizieren und dabei mit Pflegekräften, die in Deutschland geboren wurden, zu vergleichen.

Design: Es wurden 24 im Ausland geborene und 24 in Deutschland geborene und in der ambulanten Pflege beschäftigte Pflegekräfte in qualitativ explorativer Weise interviewt. Dabei wurden Pflegekräfte aus frei-gemeinnützigen und privat-gewerblichen Diensten rekrutiert.

TeilnehmerInnen: Im zweitgrößten deutschen Bundesland Hamburg wurden Pflegedienste nach dem Zufallsprinzip ausgewählt. Die Pflegekräfte wurden zu einem Interview eingeladen, nachdem die Einrichtungs- und Pflegedienstleitung einer Teilnahme an der Studie zugestimmt hatte. Teilnahmeberechtigt waren examinierte Gesundheits- und KrankenpflegerInnen, PflegehelferInnen, PflegeassistentInnen, AltenpflegerInnen und AltenpflegehelferInnen sowie solche mit ausländischen Zertifikaten, die jedoch in Deutschland bereits anerkannt wurden oder sich im Anerkennungsprozess zum Erhebungszeitpunkt befanden.

Methoden: Relevante Literaturbefunde bildeten die Grundlage für die Erstellung des semi-strukturierten Interviewleitfadens. Kernthemen im Interviewleitfaden waren Barrieren, Ressourcen und Bewältigungsstrategien in der Zusammenarbeit mit Kollegen, Vorgesetzten und Kunden sowie in der Zusammenarbeit innerhalb eines sprachlich und kulturell vielfältigen Teams und Kunden. Der konventionelle Ansatz zur qualitativen Inhaltsanalyse von Hsieh und Shannon leitete die Analyse.

Ergebnisse: Unabhängig ihrer Herkunft oder Kultur empfinden Pflegekräfte Zeitdruck, Mobilisierung von KlientInnen oder PatientInnen, eine mangelnde Wertschätzung oder das persönliche Schicksal ihrer KlientInnen als belastend. Im interkulturellen Kontext behindern ein divergierendes Verständnis von Verhaltensmustern sowie von Pflege und eine nicht funktionierende Kommunikation die Zusammenarbeit. Pflegekräfte mit Migrationshintergrund erfahren Vorurteile, verbale und sexuelle Belästigung durch ihre KlientInnen. Sie kommunizieren solche Erfahrungen jedoch eher selten mit ihren Vorgesetzten oder KollegInnnen. Die Interaktion mit Menschen, der verbale Austausch mit KollegInnen und Vorgesetzten auf Augenhöhe sowie die Sinnhaftigkeit des Berufs Pflegekraft hilft Pflegekräften, berufsbedingten Stress zu bewältigen.

Schlussfolgerungen: Sprachliche Unterschiede sind ein wesentlicher Stressfaktor, der eine funktionierende Teamzusammenarbeit sowie eine positive Pflege-Kunden-Beziehung behindert. Pflegekräfte mit und ohne Migrationshintergrund teilen ähnliche Bewältigungsstrategien, um beruflichen Belastungen zu bewältigen. Eine gute Zusammenarbeit im Team und wertschätzende Vorgesetzte sind Ressourcen, die Pflegekräfte unabhängig von ihrer Herkunft unterstützen, um Stressoren zu begegnen und damit umzugehen. Pflegekräfte mit Migrationshintergrund nehmen ihren Status als MigrantIn als Gemeinschaftsgefühl wahr, indem sie Gemeinsamkeiten teilen.